Der Markt für Drohnenabwehrsysteme wächst
Nachdem in den vergangenen Jahren der Markt für Drohnen bzw. Multikopter mit eingebauten Kameras praktisch explodiert ist und diese inzwischen in jedem Elektronikladen um die Ecke, beim Discountern und sogar in Baumärkten zu haben sind, folgen nun auch die verschiedensten Drohnenabwehrsysteme.

Wie man aus den zahlreichen Presse- und Polizeimeldungen der letzten 2-3 Jahre entnehmen kann, stellen den Hauptgrund hierfür sicher einige Hobbypiloten und Fotoenthusiasten, die sich nach dem Kauf einer Drohne weder an die Luftverkehrsordnung noch an bestehende Regeln oder die geltenden Gesetze halten. Anscheinend haben viele solcher Drohnenbesitzer noch immer nicht begriffen, dass z.B. das überfliegen von Menschenansammlungen und Unfallorten genauso verboten ist, wie das heimliche aufnehmen seiner Nachbarn im Garten oder auf der Sonnenliege.

Mit der Entstehung des Massenmarkts für Drohnen sind auch Polizei und Luftfahrtsicherheitsbehörden auf die autonom fliegenden Geräte aufmerksam geworden. So liest man vermehrt auch Meldungen von Drohnen, die z.B. für Drogenschmuggel in Gefängnisse und für Spionage verwendet werden oder unbefugt in gesperrte Lufträume von Flughäfen und anderen sensiblen Anlagen, wie z.B. Atomkraftwerken, eindringen. Ein Horrorszenario, das bis jetzt zum Glück nur in den Köpfen herumgeistert ist, dass Drohnen für einen Terrorangriff missbraucht werden könnten.

Als Abwehrmaßnahmen für solche unbefugten Eindringlinge in der Luft sind seit einiger Zeit auf dem Markt elektronische Detektier- und Störsysteme bekannt. Diese können Drohnen zwar erkennen oder die Steuerung stören, sie aber nicht effektiv zu Boden bringen. Dieses Problems hat sich die Schweizer Firma Droptec GmbH aus Chur angenommen und in Zusammenarbeit mit der Kantonspolizei Graubünden ein Drohnenabwehrsystem entwickelt, das die Drohne direkt mit einer Netzpistole einfangen soll. Die Funktionsweise der Pistole ist dabei so simpel wie effektiv: Die Waffe verschießt ein Netz auf bis zu 50 Meter hoch fliegende Objekte. Das Netz verfängt sich in den Rotoren und die Drohne stürzt ab, wie im folgendem Video zu sehen.


Die erste Bewährungsprobe für die neuartige Drohnenabwehr war das diesjährige World Economic Forum (WEF) 2018 in Davos. Ob die Pistole tatsächlich zum Einsatz kam, ist aus sicherheitstaktischen Gründen nicht bekannt. Zwar gibt es ähnliche Netz-Drohnenabwehrsysteme auf dem Markt, jedoch haben diese entweder eine relativ geringe Reichweite oder aber sie haben die Größe und das Aussehen von einem Raketenwerfer. Mit der vorgestellten Pistole "Dropster" will die Schweizer Firma eine Marktlücke füllen.

Wie man auf SRF Online lesen kann, hatte die Justizvollzugsanstalt Lenzburg im Kanton Aargau bereits im letzten Jahr zwei solche Pistolen gekauft. Zusammen mit einem Radarsystem, das einfliegende Drohnen erkennt soll die Netzpistole eingesetzt werden um im Ernstfall das Fluggerät vom Himmel zu holen. Die Entwicklung der Netz-Pistole hat laut Firmenangabe rund eine Million Franken gekostet. Zu haben ist die "Dropster"-Pistole laut Internetrecherche für 4000 - 5000 €. Wie viele bereits verkauft worden sind, will das Unternehmen nicht kommunizieren. Man rechne aber für das laufende Jahr mit einem Absatz im dreistelligen Bereich.

Forscher der Universität Würzburg arbeiten an einer Alternative

Eine andere Idee für die Drohnenabwehr verfolgen die Wissenschaftler der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU). Da ein Abschuss einer Drohne immer einen unkontrollierten Absturz bedeutet und sie dann erst recht Schaden anrichten könnte, arbeiten die Wissenschaftler im Rahmen des Projekts MIDRAS an einer anderen Lösung.

MIDRAS steht für Mikro-Drohnen-Abwehr-System. Das Ziel: Innerhalb weniger Sekunden fliegen zwei Quadrocopter mit einem gespannten Netz auf das Fluggerät zu, fangen es ein und transportieren es weg.



"Wir wollen so schnell wie möglich die Gefahr aus dem Weg räumen. Der Angriff ist eine Sache von Sekunden", sagt Michael Strohmeier, Doktorand am Lehrstuhl für Informatik und zusammen mit Prof. Sergio Montenegro verantwortlich für das Projekt an der JMU. Der Vorteil zu anderen Abwehrmaßnahmen bestehe darin, dass die Drohne oder ihre Teile nicht abstürzen. "Das ist unser Alleinstellungsmerkmal", sagt Strohmeier.

Eine der großen Herausforderungen in der Programmierung sei derzeit noch, dass die Quadrocopter nach dem Einfangen ihrer Beute nicht kollidieren. "Das ist wie wenn zwei Menschen mit einem gespannten Seil auf einen Baum zu rennen. Es könnte sein, dass sie zusammenstoßen", erklärt Strohmeier diese Gefahr. Bei Testflügen wurden die Quadrocopter schon mit mehr als 50 Kilometern pro Stunde in ein Netz geflogen, um die zu erwartenden Belastungen zu evaluieren.

Bild 1: Copyright © Droptec GmbH
Bild 2: Copyright © Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Quellen:
1. SRF 1, Regionaljournal Graubünden https://www.srf.ch/news/regional/graubuenden/system-zur-drohnenabwehr-fangnetz-holt-drohnen-vom-himmel
2. Elektroniknet.de http://www.elektroniknet.de/elektronik/embedded/drohnen-fangen-drohne-ab-150362.html
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