Über Drohnen, Zwischenfälle und Crashtests
Wer unseren kleinen Blog regelmäßig verfolgt, der hat in der Vergangenheit die eine oder andere, zum Teil haarsträubende, Meldung über Drohnen gelesen. Zum Jahresende, und somit pünktlich zum Weihnachtsgeschäft, blicken wir zurück und schauen uns an, wie sich das Thema "Drohnen" in den letzten Jahren entwickelt hat und sich noch entwickeln wird. Ahja: Einen Crashtest gibt es auch.

Der deutsche Drohnenmarkt

Als erstes schauen wir und die Entwicklung des deutschen Drohnenmarktes an. Laut drohnenstudie.de werden bis Ende 2018 rund 1,3 Millionen Drohnen über die Warentheke an die Konsumenten in Deutschland wandern. Der Großteil davon sind semiprofessionelle Drohnen mit einem Gewicht zwischen 250 Gramm und zwei Kilogramm. Aber auch der Verkauf von Spielzeugdrohnen ist im Vergleich zu letztem Jahr deutlich gestiegen; rund 290.000 der ferngelenkten Miniflieger werden ihren Weg in die Zimmer von kleinen und großen Kindern finden, wie man aus der nachfolgenden Grafik von Statista entnehmen kann.

Drohnen bedrohen zunehmend die Flugsicherheit

Im gleichen Maße wie die Verkaufszahlen der Drohnen, stiegen auch die Meldungen über die Drohnenzwischenfälle im deutschen Luftraum an. Im laufenden Jahr haben die Piloten bislang 131 Behinderungen (Januar bis September) durch Drohnen gemeldet, wie die Deutsche Flugsicherung (DFS) Statista auf Anfrage mitgeteilt hat. Gegenüber 2017 ist es bereits jetzt schon eine Steigerung von fast 50%. "Wir sehen die Drohnen nicht auf dem Radar und sie sind in der Regel zu klein, um von einem Piloten früh genug gesehen zu werden. Deshalb können sie gerade rund um Flughäfen zur Gefahr für Verkehrsflugzeuge werden", so die DFS-Medienbeauftragte Anja Naumann. Wie man auf der Seite von Statista nachlesen kann, ereignen sich 82% der Zwischenfälle im direkten Umland von Flughäfen - Trotz strenger Flugverbote für Drohnen in der Nähe von Flughäfen und Einflugschneisen von Flugzeugen. Nach Ansicht von Experten ist es daher nur eine Frage der Zeit, bis es zu einem ersten Zusammenstoß eines Flugzeugs mit einer Drohne kommt.

Kollision zwischen Drohne und Flugzeugflügel

Was aber wären die Folgen? "Es gibt bisher kaum Daten darüber, welchen Schaden eine Drohne anrichten würde und die wenigen Informationen dazu stammen meist aus Modellen und Simulationen", sagt Kevin Poormon von der University of Dayton. "Drohnen wiegen aber ähnlich viel wie manche Vögel und wir wissen, welche Schäden eine Vogelkollision anrichten kann."

Um die Folgen einer Kollision zwischen einer Drohne und einem Flugzeugflügel zu ermitteln, haben die Forscher der University of Dayton einen entsprechenden Crashtest durchgeführt. Sie platzierten den Flügel eines Kleinflugzeugs in einer Testhalle und schossen einen gut einen Kilogramm schweren Quadrocopter aus einer speziellen Kanone auf die Vorderkante des Flügels. Die Wucht des Aufpralls entsprach einer Fluggeschwindigkeit des Flugzeugs von rund 380 Kilometern pro Stunde. Den gleichen Versuch führten die Forscher mit der Gel-Attrappe eines gleich schweren Vogels durch.


Das Ergebnis war ernüchternd: Auf den ersten Blick wurde der Flügel durch die Drohne weniger beschädigt, als durch den Vogel. Der Blick ins Innere des Flügels zeigte jedoch den gesamten Ausmaß der Zerstörung: "Die Phantom-Drohne drang viel tiefer in den Flügel ein und beschädigte den Hauptträger, was beim Vogel nicht der Fall war", berichtet Poormon.

Für das Flugzeug wäre eine solche Kollision fatal: "Das gesamte Gewicht des Flugzeugs hängt an diesen Trägern. Wenn man einen davon genügend beschädigt, würde das Flugzeug abstürzen", sagt Poormon. Im Experiment stammte der Flügel zwar nur von einem viersitzigen Kleinflugzeug, doch wie der Forscher erklärt, sind die Flügel von Passagiermaschinen nach dem gleichen Prinzip aufgebaut und ihre Wände kaum dicker.

Fazit

Trotz des enormen Größenunterschieds können demnach schon normale Freizeitdrohnen zu einer erheblichen Gefahr für Flugzeuge werden. "Aber schon jetzt werden Drohnen als Paketlieferanten getestet – und diese sind noch größer und schwerer", sagt Poormon. "Kombiniert mit dem Gewicht ihrer Last würden diese Drohnen sogar mehr wiegen als eine Kanadagans – und die kann schon erhebliche Schäden an einem Flugzeug anrichten."

Die letzten 2-3 Jahre haben gezeigt, dass strengere Drohnengesetze und Reglementierungen absolut nichts bewirken. Die Piloten, die Ihre Drohnen in den Flugverbotszonen in die Luft steigen lassen, machen es trotzdem. Es wird ja schließlich schon nichts passieren und außerdem gelten die Gesetze und Verordnungen ja nur für die anderen, nicht für sie selbst. Anscheinend braucht es wirklich erst ein Unglück mit mehreren hundert Toten, damit endlich ein Umdenken der schwarzfliegenden Drohneninhaber stattfindet.

Die Forscher der University of Dayton, die diesen Crashtest durchführten, sind daher der Meinung, dass neben der strengen Reglementierung auch die Konstruktion der Drohnen angepasst werden müsste. "Man könnte Drohnen so bauen, dass sie bei einem Aufprall leichter zerbrechen oder sie unterhalb eines bestimmten Gewichts halten", sagt Poormon. Als nächstes wollen die Wissenschaftler nun testen, wie sich eine Drohnenkollision auf andere Flugzeugteile wie die Cockpitscheiben oder die Triebwerke auswirken würde. Wir werden darüber berichten.

Copyright:
Bild 1: Copyright © by University of Dayton Research Institute
Bild 2: Copyright © by Statista https://de.statista.com/infografik/15777/anzahl-der-in-deutschland-verkauften-drohnen/
Bild 3: Copyright © by Statista https://de.statista.com/infografik/15816/von-piloten-gemeldete-behinderungen-durch-drohnen/
Video: Copyright © by University of Dayton Research Institute

Quellen:
Statista https://de.statista.com/infografik/15777/anzahl-der-in-deutschland-verkauften-drohnen/, https://de.statista.com/infografik/15816/von-piloten-gemeldete-behinderungen-durch-drohnen/
Scinexx.de http://www.scinexx.de/wissen-aktuell-23266-2018-10-17.html
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